Dynamischer Stromtarif: Für wen er sich lohnt

Ein dynamischer Stromtarif lohnt sich, wenn du große Verbräuche in billige Stunden legen kannst. Für einen Haushalt mit 3.500 kWh, der nichts verschiebt, hätte sich der Tarif in Deutschland in den 12 Monaten 01.10.2025 bis 30.09.2026 nur bis zu einem Anbieteraufschlag von 1,9 ct/kWh gerechnet. Mit einem E-Auto, das automatisch in den günstigsten Stunden lädt, liegt die Schwelle bei 2,7 ct/kWh.
Die Gewinnschwelle ist der Aufschlag des Anbieters je kWh (brutto), bei dem dynamischer Tarif und Fixtarif gleich viel kosten. Liegt der Aufschlag deines Angebots darunter, wärst du mit dem dynamischen Tarif günstiger gefahren. Der Vergleich nutzt die Eurostat-Durchschnittspreise als Fixtarif und dieselben Netzentgelte und Abgaben für beide Tarife; Grundgebühren des Anbieters sind hier mit 0 angesetzt, der Smart Meter mit 30 EUR pro Jahr in Deutschland.
Gewinnschwelle nach Haushaltstyp
| Szenario | Verbrauch | Gewinnschwelle DE | Gewinnschwelle AT | AT mit aWATTar-Werten |
|---|---|---|---|---|
| Haushalt 3.500 kWh, nichts verschoben | 3.500 kWh | 1,9 ct | 6,5 ct | spart 97 EUR |
| Haushalt 3.500 kWh, 20 % verschoben | 3.500 kWh | 3,4 ct | 8,0 ct | spart 148 EUR |
| + E-Auto 10.000 km, lädt abends ab 18 Uhr | 5.470 kWh | 0,8 ct | 5,0 ct | spart 104 EUR |
| + E-Auto 10.000 km, lädt automatisch günstig | 5.470 kWh | 2,7 ct | 7,0 ct | spart 218 EUR |
| + Wärmepumpe 4.000 kWh | 7.500 kWh | 2,7 ct | 6,6 ct | spart 291 EUR |
| + Balkonkraftwerk 600 kWh Ertrag | 2.910 kWh | 0,7 ct | 5,3 ct | spart 32 EUR |
Verbrauch = Netzbezug nach Abzug des Balkonkraftwerks. Gewinnschwelle = Aufschlag je kWh brutto. Letzte Spalte: Ersparnis oder Mehrkosten gegenüber dem Eurostat-Durchschnittspreis Österreich mit Aufschlag 1,80 ct/kWh und Grundgebühr 5,75 EUR/Monat laut aWATTar (Stand 07.10.2026). E-Auto: 19,7 kWh/100 km (ADAC Ecotest 2023), Ladeleistung 11 kW.
Was den Unterschied macht
Wann du verbrauchst. Im gemessenen Lastprofil, mit dem wir rechnen, liegt die Verbrauchsspitze am Abend, also in den Stunden, in denen auch die Börsenpreise am höchsten sind. Im Mittel hätte der Strom dieses Lastprofils an der deutschen Börse 10,49 ct/kWh gekostet, der Durchschnitt aller Stunden lag bei 10,40 ct/kWh.
Was du verschieben kannst. Schon 20 Prozent verschobener Haushaltsstrom heben die Gewinnschwelle in Deutschland von 1,9 auf 3,4 ct/kWh. Beim E-Auto entscheidet die Ladezeit: Lädt es abends ab 18 Uhr sofort, liegt die Schwelle bei 0,8 ct/kWh, lädt es automatisch in den günstigsten Stunden bis 7 Uhr morgens, bei 2,7 ct/kWh.
Was der Anbieter verlangt. Aufschlag je kWh und Grundgebühr entscheiden am Ende. Manche Anbieter nennen den Aufschlag nicht auf ihrer Website; frag ihn im Angebot ab. Beispiele: TibberPartnerlink (DE), Octopus EnergyPartnerlink (DE), aWATTarPartnerlink (AT). Für einen klassischen Tarifwechsel: Verivox StromPartnerlink, Check24 StromPartnerlink.
Die Wärmepumpe verbraucht vor allem an kalten Tagen. Nach Heizgradtagen gewichtet lag der Börsenpreis in Deutschland bei 9,97 ct/kWh, im einfachen Tagesmittel bei 10,41 ct/kWh. Im Rückblickszeitraum fielen die Heiztage also eher in günstigere Zeiten; die Gewinnschwelle mit Wärmepumpe liegt bei 2,7 ct/kWh. Mit einem Balkonkraftwerk sinkt dein Netzbezug vor allem mittags. Genau dann ist Börsenstrom am günstigsten: Am niedrigsten war im Mittel die Stunde ab 13 Uhr mit 4,84 ct/kWh. Der Solarstrom ersetzt also gerade die billigen Stunden, der verbleibende Netzbezug fällt eher in teure Stunden. Deshalb sinkt die Gewinnschwelle mit Balkonkraftwerk auf 0,7 ct/kWh. Wie viel dein Balkonkraftwerk erzeugt, rechnet der Solarbalkon-Rechner für deine Postleitzahl.
Voraussetzungen
Seit dem 1. Januar 2025 müssen in Deutschland alle Stromlieferanten einen dynamischen Tarif anbieten, für Kundinnen und Kunden mit intelligentem Messsystem (§ 41a Abs. 2 EnWG). Vorher galt das nur für Lieferanten mit mehr als 100.000 Letztverbrauchern. Mehr zu Kosten und Pflichten auf der Seite Smart Meter. In Österreich haben Kundinnen und Kunden mit intelligentem Messgerät seit 1. April 2026 ein Recht auf einen Liefervertrag mit dynamischen Energiepreisen; Lieferanten mit mehr als 25.000 Zählpunkten müssen solche Verträge anbieten (§ 22 ElWG, BGBl. I Nr. 91/2025).
Häufige Fragen
Für wen lohnt sich ein dynamischer Stromtarif?
Vor allem für Haushalte, die große Verbräuche in günstige Stunden legen können, etwa ein E-Auto, das automatisch nachts oder mittags lädt. In unserer Nachrechnung für 01.10.2025 bis 30.09.2026 lag die Gewinnschwelle für den Anbieteraufschlag in Deutschland bei 1,9 ct/kWh für einen Haushalt ohne Verschiebung und bei 2,7 ct/kWh mit E-Auto und automatischem Laden.
Was ist ein dynamischer Stromtarif?
Ein Tarif, dessen Arbeitspreis sich mit dem Börsenpreis am Day-Ahead-Markt ändert, je Stunde oder Viertelstunde. Dazu kommen Netzentgelte, Steuern und Abgaben sowie Aufschlag und Grundgebühr des Anbieters. Voraussetzung ist ein Smart Meter.
Muss jeder Anbieter einen dynamischen Tarif anbieten?
Seit dem 1. Januar 2025 müssen in Deutschland alle Stromlieferanten einen dynamischen Tarif anbieten, für Kundinnen und Kunden mit intelligentem Messsystem (§ 41a Abs. 2 EnWG). Vorher galt das nur für Lieferanten mit mehr als 100.000 Letztverbrauchern. In Österreich haben Kundinnen und Kunden mit intelligentem Messgerät seit 1. April 2026 ein Recht auf einen Liefervertrag mit dynamischen Energiepreisen; Lieferanten mit mehr als 25.000 Zählpunkten müssen solche Verträge anbieten (§ 22 ElWG, BGBl. I Nr. 91/2025).
Was ist das Risiko?
Steigen die Börsenpreise, steigt deine Rechnung sofort mit. Ein Rückblick auf 12 Monate ist keine Garantie für die nächsten 12 Monate.